Deutscher Gewerkschaftsbund

06.09.2018
#schlaglicht 11/2018

Jugendliches Engagement finanziell stärken!

Prävention, Inklusion, Integration - die Aufgaben von Jugendverbänden sind anspruchsvoll und gesellschaftlich wichtig. Doch die Förderung durch das Land stagniert seit Jahren. Warum sich etwas ändern muss, ist im #schlaglicht 11/2018 zu lesen.

Beine und Schatten von Kindern

DGB/Simone M. Neumann

Wenn politisch Aktive aus Jugendverbänden auf die Größen der Landespolitik treffen, um über Engagement, Förderung und Jugendpolitik zu diskutieren, bekommen sie oft die gleiche Geschichte vorgesetzt: Die politisch Handelnden geben dann gerne zum Besten, dass sie selbst in der Jugendverbandsarbeit groß geworden sind und dort viel gelernt haben. Beispielsweise war Stephan Weil bei den Falken und dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend aktiv. Auch andere Mitglieder der Landesregierung und des Parlaments engagierten sich in der Jugendarbeit. Daher ist die Hoffnung der Jugendlichen groß, dass ihre Anliegen auf offene Ohren stoßen und die Jugendarbeit finanziell gestärkt wird.

Schöne Worte, wenig Taten!
Die Wirklichkeit sieht leider anders aus. Ein Blick auf die Fakten offenbart, dass von einer Stärkung der Jugendarbeit überhaupt keine Rede sein kann: Zwar haben sich die bundesweiten Ausgaben für die Jugendhilfe von 1994 bis 2014 fast verdreifacht, aber die Jugendarbeit konnte von diesen Steigerungen nicht profitieren: Der Anteil der Ausgaben für die Jugendarbeit am Etat der Jugendhilfe hat sich im gleichen Zeitraum von 10 Prozent auf 5,4 Prozent halbiert. Damit stehen der Jugendarbeit, unter Berücksichtigung der Preissteigerungen, heute in den öffentlichen Haushalten weniger Gelder zur Verfügung als vor 20 Jahren. Von Unterstützung also keine Spur!

Negativer Trend bei Mitteln für Jugendbildung in Niedersachsen
In Niedersachsen spiegelt sich dieser Negativtrend vor allem in fehlenden Bildungsmitteln wider. Während der Sozialhaushalt von 2005 bis 2015 um 71 Prozent gewachsen ist, sind die aus ihm fließenden Ausgaben für Jugendbildungsmittel gerade einmal um 7,4 Prozent gestiegen. Allerdings wurde diese Steigerung durch die Inflation aufgezehrt.


 

Ausgabenentwicklung von Bildungsmitteln und Sozialhaushalt, in Mio Euro

DGB


Mittlerweile hat sich bei den Jugendlichen ein enormes Maß an Frustration aufgestaut. Auf der einen Seite können sie ihre Jugendarbeit nur noch schwer finanzieren, auf der anderen Seite formuliert die Landespolitik ständig neue Anforderungen an sie, ohne etwas gegen die strukturelle Unterfinanzierung zu tun.

Ehrenamtliches Engagement Jugendlicher ist wichtig!
Jugendverbände sind seit der Einführung des Bundeskinderschutzgesetzes zur Prävention sexualisierter Gewalt verpflichtet. Sie sollen die Inklusion von Menschen mit Behinderung, von Geflüchteten und von Menschen mit Migrationshintergrund vorantreiben. Sie sollen ihre Angebote so ausrichten, dass sich diese auch alle leisten können. Ihre Maßnahmen sollen zur Geschlechtergerechtigkeit beitragen. Ohne zu murren, sollen sie den immer größer werdenden Verwaltungsaufwand bewältigen. Kurz: Das ehrenamtliche Engagement der Jugendlichen ist gesellschaftlich notwendig. Es ist dementsprechend finanziell auszustatten!

2 Millionen Euro mehr müssen drin sein!
Das bisherige Vorgehen der Landesregierung zum Thema Jugendarbeit entbehrt jeder Logik. Wer die Zukunft der Demokratie fördern möchte, sollte nicht bei Jugendarbeit und -bildung sparen. Wenn man die allgemeine Preissteigerung von fast 50 Prozent in den letzten 25 Jahren einrechnet und berücksichtigt, dass Jugendverbände heute 70 Prozent mehr Bildungstage als 1992 leisten, muss die Landesregierung die Bildungsmittel um wenigstens 2 Mio. Euro erhöhen.


 


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