Deutscher Gewerkschaftsbund

09.08.2018
#schlaglicht 07/2018

Lohnerhöhungen 2018: Tarifverträge lohnen sich!

Die Konjunktur bommt, auch wegen der robusten Binnennachfrage. Diese wiederum profitiert von den steigenden Löhnen in Folge guter Tarifabschlüsse. Aber längst nicht alle Beschäftigte profitieren davon. Woran das liegt, analysiert das #schlaglicht 07/2018.

Frau mit Geldscheinen

DGB/rubisco/123rf.com

In den vergangenen Jahren hat sich die Konjunktur ausgesprochen gut entwickelt. Daran dürfte sich mittelfristig nichts ändern. Der wesentliche Indikator für den positiven Verlauf ist die robuste Binnennachfrage. Sie speist sich vor allem aus dem durch Löhne und Gehälter gesteigerten Masseneinkommen. Weil die Beschäftigten mehr konsumieren, produzieren und verdienen die Unternehmen mehr. Die Folge: Das Bruttoinlandsprodukt wächst.

Tarifabschlüsse deutlich höher als in den Vorjahren
Verantwortlich für die gestiegenen Löhne sind die von den DGB-Gewerkschaften erzielten Tarifabschlüsse. Sie sichern den Beschäftigten mehr Geld im Portemonnaie. Unter Berücksichtigung der im ersten Halbjahr 2018 abgeschlossenen Tarifverträge und der in den Vorjahren für 2018 bereits vereinbarten Tariferhöhungen steigen die Tariflöhne in diesem Jahr um durchschnittlich 3,1 Prozent. Die Tariferhöhungen fallen damit deutlich stärker aus als in den Vorjahren, in denen sie jeweils um 2,4 Prozent zugenommen haben. Bei einer Inflationsrate von durchschnittlich 1,7 Prozent ergibt sich ein Reallohnzuwachs von 1,4 Prozent. Damit setzt sich ein erfreulicher Trend der letzten Jahre fort. Seit 2012 können sich die Beschäftigten über ein reales Plus von insgesamt 10,4 Prozent freuen.

Große Branchen profitieren am meisten.
Die höchsten Tarifzuwächse 2018 sind in den großen Tarifbranchen zu finden. Der Spitzenreiter ist das Bauhauptgewerbe mit einer jahresbezogenen Erhöhung von 5,2 Prozent. Es folgen die Metallindustrie mit 4 Prozent und der öffentliche Dienst mit 3,4 Prozent. Die Verhandlungen in der chemischen Industrie stehen dieses Jahr noch auf der Tagesordnung. Bisher wurden bereits Tarifabschlüsse für etwa 8,5 Mio. Beschäftigte vereinbart.

Grafik Erhöhung der Tariflöhne

DGB


Es gibt allerdings eine Kehrseite: Längst nicht alle profitieren von den erzielten Ergebnissen. In Niedersachsen sind aktuell nur noch 57 Prozent der Beschäftigten durch einen Tarifvertrag geschützt. 2002 sind es noch 76 Prozent gewesen. Die Zahl der tarifgebundenen Betriebe fällt, bei ebenfalls stark abnehmender Tendenz, mit nur noch 33 Prozent erheblich niedriger aus. Tarifflucht ist mittlerweile ein weitreichendes Problem.

Arbeitgeber müssen Tarifbindung stärken!
Zwar loben die Arbeitgeber in blumigen Sonntagsreden gerne Sozialpartnerschaft und Tarifautonomie. Es bleibt allerdings häufig bei bloßen Lippenbekenntnissen. Wenn es um die konkrete Ausgestaltung geht, ist von ihrer vielbeschworene Verantwortung wenig zu sehen. Die Arbeitgeber sollten deshalb in Verhandlungen mit den Gewerkschaften treten und aktiv die Tarifbindung stärken.

Mehr Beschäftigte brauchen Bezahlung nach Tarif!
Parallel steht die Politik in der Pflicht. Die Landesregierung muss die Tariftreue bei Vergaben herstellen. Öffentliche Aufträge dürfen nur noch an Unternehmen gehen, die sich an Tarifverträge halten. Für besonders schwache Branchen sind auf Bundesebene allgemeinverbindliche Tarifverträge zu erleichtern. Sie lassen sich damit auf Unternehmen ausweiten, die sich dagegen sträuben. Damit bekommen in Zukunft noch mehr Beschäftigte eine Bezahlung nach Tarif. Denn Tarifverträge lohnen sich!


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