Deutscher Gewerkschaftsbund

28.06.2018
#schlaglicht 04/2018

Niedersachsen: Tarifbindung endlich stärken!

Immer mehr Unternehmen flüchten aus der Tarifbindung. Deshalb haben immer weniger Beschäftigte ein tarifvertraglich abgesichertes Arbeitsverhältnis. Diese Entwicklung ist auch an Niedersachsen nicht vorbei gegangen. Tarifverträge sind Garanten für Gute Arbeit. Im #schlaglicht 04/2018 lesen Sie, wie die Tarifbindung in Niedersachsen gestärkt werden kann.

Zwei Gerüstbauer auf einem Baugerüst

DGB/goodluz/123rf.com

Am Vorabend des 1. Mai 2018 gab Thomas Kreutzmann, Fernsehkorrespondent der ARD, in den Tagesthemen einen bemerkenswerten Kommentar ab. Er führte dort unter anderem aus: „Wenn das Können von Managern vor allem darin besteht, aus der Tarifbindung des Arbeitgeberverbandes zu flüchten, um Löhne zu drücken und um Arbeitszeiten heraufzuschrauben – dann ist das ein Armutszeugnis.“

Arbeitgeber entziehen sich Tarifverträgen!
Viel deutlicher hätte die verbale Ohrfeige kaum ausfallen können. Tatsächlich hat der Journalist den Nagel auf den Kopf getroffen. Seit Jahren machen sich viele Arbeitgeber einen Sport daraus, die Tarifautonomie zu untergraben, indem sie sich systematisch Flächentarifverträgen entziehen. Sozialpartnerschaft geht anders!

Tiefstand in Niedersachsen
Zu den Fakten: Seit mittlerweile fast zwei Dekaden lässt sich beobachten, dass immer weniger Beschäftigte ein tarifvertraglich abgesichertes Arbeitsverhältnis haben. In Westdeutschland ist die Tarifbindung zwischen 2002 und 2017 von 70 Prozent auf 57 Prozent zurückgegangen. Diese Entwicklung ist auch an Niedersachsen nicht vorbei gegangen. 2002 waren noch 76 Prozent der niedersächsischen Beschäftigten durch einen Tarifvertrag geschützt. Bis 2017 ist ihre Zahl auf nur noch 57 Prozent gesunken. Die Werte der tarifgebundenen Betriebe fallen, bei ebenfalls stark abnehmender Tendenz, mit nur noch 33 Prozent noch einmal erheblich niedriger aus.


 

Grafik Tarifbindung

DGB


Tarifverträge sind Garanten für Gute Arbeit. Ob Gehalt, Urlaubstage, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Arbeitszeiten, Kündigungsfristen oder betriebliche Altersversorgung – Beschäftigte mit tarifvertraglich geregelter Arbeit stehen besser da als Beschäftigte in Betrieben ohne Tarifbindung.

Auch Arbeitgeber profitieren von Tarifverträgen
Aber auch aus Sicht der Arbeitgeber sind Tarifverträge sinnvoll. Nicht nur, weil sie ein gutes Betriebsklima und zufriedene wie motivierte Beschäftigte schaffen. Vor allem Flächentarifverträge, die für eine ganze Branche gelten, sorgen für fairen Wettbewerb. Sie verhindern Schmutzkonkurrenz, indem sie allen Unternehmen gleiche Voraussetzungen bei Planungssicherheit und Kostenkalkulation verschaffen. Arbeitgeber, die sich aus der Tarifbindung verabschieden, schädigen deshalb nicht nur die Beschäftigten, sondern auch ihre Konkurrenten. Anstatt also die Sozialpartnerschaft ständig nur in blumigen Sonntagsreden zu loben, sollte die Arbeitgeberverbände sie lieber aktiv gestalten.

Gewerkschaften kämpfen für Beschäftigte
Um den anhaltenden Negativ-Trend zu stoppen, arbeiten die Gewerkschaften daran, die Tarifbindung wieder zu stärken. Zum Beispiel, indem sie Beschäftigte dabei unterstützen, Betriebsräte zu gründen. Wo diese existieren, besteht eine höhere Tarifbindung. Auch Mitgliedergewinnung stärkt die Gewerkschaften im Kampf für einen Tarifvertrag.

Auch Politik ist gefordert
Parallel muss die Politik handeln. Die Landesregierung muss die Tariftreue bei Vergaben herstellen. Öffentliche Aufträge dürfen nur noch an Unternehmen gehen, die sich an Tarifverträge halten. Für besonders schwache Branchen sind auf Bundesebene allgemeinverbindliche Tarifverträge zu erleichtern. Sie lassen sich damit auf Unternehmen ausweiten, die sich dagegen sträuben. So lässt sich Tarifbindung stärken!


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