Deutscher Gewerkschaftsbund

13.09.2018
#schlaglicht 12/2018

Gute Bildung beginnt bei den Arbeitsbedingungen!

Lehrerinnen und Lehrer übernehmen mit ihrer Arbeit wichtige gesellschaftliche Aufgaben. Aber das spiegelt sich nicht in ihren Arbeits- und Entgeltbedingungen. Wie die Landesregierung für Verbesserung sorgen kann, ist im #schlaglicht 12/2018 zu lesen.

Buntstifte und Bücherstapel auf blauem Hintergrund

Colourbox.de

Unter Spannung reißt irgendwann jeder Faden. Auch der Geduldsfaden. Ob diese Erkenntnis bei der Landesregierung schon angekommen ist, scheint fraglich. Anders ist die politische Passivität im Bildungsbereich nicht zu erklären. Besonders bei den Lehrkräften ist der Handlungsbedarf so immens, dass es ein einfaches „Weiter so“ nicht geben darf. Umso wichtiger ist sicht- und hörbarer Protest. Denn Stillstand bedeutet Rückschritt. Und der geht zu Lasten aller Beteiligten: Lehrkräfte, Schulkinder und Eltern.

Lehrkräfte leisten wertvolle Arbeit...
Unbestritten ist der Lehrerberuf einer der anspruchsvollsten und wichtigsten Berufe unserer Gesellschaft. Lehrkräfte wecken Begeisterung für neues Wissen. Sie bringen den Kindern und Jugendlichen das Rüstzeug bei, das sie für ihren späteren beruflichen Werdegang benötigen. Außerdem ermutigen sie zu selbstständigem und kritischem Denken. Damit legen sie durch ihre Arbeit das Fundament für unsere demokratische Grundordnung.

...diese wird aber nicht ausreichend honoriert.
Das alles spiegelt sich leider nur ungenügend in guten Arbeits- und Entgeltbedingungen wider. Viele Lehrkräfte in Niedersachsen arbeiten mehr als die verlangten 40 Stunden pro Woche und sind überlastet. An Grundschulen, Gesamtschulen und Gymnasien fallen pro Schuljahr 2,5 Mio. Stunden Mehrarbeit an. Jede sechste Lehrkraft an Gymnasien arbeitet dauerhaft und gesetzeswidrig über 48 Stunden pro Woche. Bei anderen Schulformen sieht es nicht viel besser aus. Arbeit am Wochenende und abends ist für viele längst die Regel. Aber eine Bezahlung oder einen Freizeitausgleich erhalten sie für dieses Engagement nicht.


 

Anteil Vollzeit-Lehrkräfte mit Arbeitszeit über 48 Stunden, in Prozent

DGB


Besonders alarmierend: Die Überbelastung ist ein gesundheitliches Risiko. Aber weil die Arbeit sonst nicht zu bewältigen ist, geht dennoch ein Großteil der Lehrkräfte krank zur Arbeit. Über 54 Prozent haben an mindestens einem Schultag trotz Krankheit gearbeitet. Knapp 14 Prozent sind sogar an mindestens fünf Schultagen krank zur Arbeit erschienen. Eine fragwürdige Entwicklung.

Unterrichten muss an allen Schulformen attraktiver werden!
Um dem Fachkräftemangel an Grundschulen entgegenzuwirken, kommt es mittlerweile haufenweise zu Abordnungen von anderen Schulen. Die Lücken lassen sich anders nicht mehr schließen. Aber Abordnungen sind keine vernünftige Personalplanung. Nur wenn Unterrichten an allen Schulformen attraktiver wird, kann genügend Nachwuchs rekrutiert werden. Vollkommen unverständlich ist deshalb eine Politik, die sich den „Luxus“ leistet und Lehrkräfte, die nicht an Gymnasien unterrichten, schlechter bezahlt. Mit Gerechtigkeit hat das nichts zu tun!

Die Landesregierung muss Wort halten!
Für die Landesregierung ist es an der Zeit, Farbe zu bekennen und ihre Hausaufgaben zu machen. Die Unterrichtsverpflichtung ist zu senken, parallel müssen die Anrechnungsstunden steigen. Das entlastet die Lehrkräfte. Die Besoldung nach A 13 für alle ist absolute Pflicht. Gleichwertige Tätigkeiten müssen endlich gleich bezahlt werden. Das zeigt Lehrkräften Wertschätzung und wirkt personellen Engpässen entgegen. Die im Koalitionsvertrag vorgesehene zusätzliche Altersermäßigung für Lehrkräfte ab dem 55. Lebensjahr muss zügig kommen. Jetzt heißt es Wort halten. Das entspannt die Lage.


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