Deutscher Gewerkschaftsbund

23.08.2018
#schlaglicht 09/2018

Soziale Dienstleistungen: Aufwertung jetzt!

Kaum eine berufliche Gruppe ist so hoch angesehen wie das Fachpersonal in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Kindertagesstätten oder anderen sozialen Einrichtungen. Die gesellschaftliche Anerkennung spiegelt sich aber leider nicht in guten Arbeits- und Entgeltbedingungen wider. Warum das so ist, ist im #schlaglicht 09/2018 zu lesen.

Pflegende Angehörige hält Hand am Bett

DGB/Kacso Sandor/123RF.com

Es kommt der Tag, an dem die Kräfte nicht mehr ausreichen, um die Eltern selbst zu pflegen. Es kommt der Tag, an dem die Gesundheit einen im Stich lässt, so dass der Gang in ein Krankenhaus unumgänglich ist. Es kommt der Tag, an dem nach der Geburt des Kindes die Rückkehr ins Berufsleben wieder ansteht. In diesen Situationen ist Hilfe gefragt: Beschäftigte in den Sozialberufen sind zur Stelle, wenn es alleine nicht mehr weitergeht.

Soziale Berufe sind hoch angesehen...
Soziale Dienstleistungen sind ein wesentlicher Teil unserer gesellschaftlichen Infrastruktur. Ohne sie könnten viele Menschen ihren Alltag nur schwer bewältigen. Sie lassen sich allerdings nicht bauen wie Straßen oder Schulen. Benötigt werden gut ausgebildete Beschäftigte, die diese personenbezogenen Leistungen erbringen. Dafür ist ihnen die Wertschätzung der Bevölkerung gewiss. Kaum eine berufliche Gruppe ist so hoch angesehen wie das Fachpersonal in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Kindertagesstätten oder anderen sozialen Einrichtungen.

...aber sie werden schlecht bezahlt!
Die gesellschaftliche Anerkennung spiegelt sich leider nicht in guten Arbeits- und Entgeltbedingungen wider. Ganz im Gegenteil: Obwohl in Deutschland Pflegenotstand herrscht und es in vielen Bereichen an Personal mangelt, fallen die Verdienste in den sozialen Berufen unterdurchschnittlich aus. Attraktiver werden diese dadurch nicht. Die Bruttostundenlöhne von examinierten Kräften in der Altenpflege liegen im Mittel bei 14,24 Euro, in der Krankenpflege bei 16,23 Euro. Noch deutlich weniger verdienen Hilfskräfte. Zum Vergleich: Der Mittelwert für alle Beschäftigten in Deutschland beträgt 16,97 Euro pro Stunde.

Grafik durchschnittliche Bruttostundenlöhne in sozialen Berufen 2014, in Euro

DGB


Schlechte Bezahlung und Unterfinanzierung verursachen Personalmangel. Dieser wiederum erhöht die Arbeitsbelastung der Beschäftigten. Ein Beispiel: Während in US-amerikanischen Krankenhäusern eine Pflegekraft durchschnittlich 5,3 Patienten betreut, muss sie sich hierzulande im Schnitt um 13 Patienten kümmern. Dadurch steigt die ohnehin schon hohe physische und psychische Beanspruchung der Beschäftigten weiter an. Überlastetes Personal wird häufiger krank, steigt eher aus dem Beruf aus oder geht unfreiwillig in den vorzeitigen Ruhestand. Die Personaldecke dünnt weiter aus, die Last für die verbliebenen Beschäftigten erhöht sich. Ein Teufelskreis.

Tarifbindung führt zu höherer Bezahlung
Will man dem Mangel an Fachkräften in den sozialen Dienstleistungen wirksam entgegentreten, ist die Zeit für deren Aufwertung jetzt gekommen. An besseren Arbeits- und Entgeltbedingungen führt kein Weg vorbei. Eine möglichst flächendeckende Tarifbindung ist ein effektiver Weg zu höherer Bezahlung in allen Branchen. Tarifbeschäftigte in Vollzeit beispielsweise verdienen in der Pflege monatlich 18 Prozent mehr. Damit würde auch dem Unterbietungswettbewerb ein Riegel vorgeschoben.

Schutz vor zu hoher Belastung dringend nötig
Ebenso notwendig ist die Einführung von gesetzlichen Mindest-Personalschlüsseln. Verbindliche Standards schützen die Beschäftigten vor zu großer Arbeitsbelastung. Daneben sind die beruflichen Einstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten auszubauen. Insbesondere ist die Weiterqualifizierung von Hilfskräften zu vereinfachen.


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