Deutscher Gewerkschaftsbund

10.10.2018
#schlaglicht 16/2018

Beschäftigungsrekord steht auf prekären Füßen!

Die Arbeitslosenquote sinkt, Reallöhne steigen. Herrschen also paradiesische Zustände für die Beschäftigten? Leider nein. Viele werden mit Niedriglöhnen abgespeist, die prekäre Beschäftigung liegt in Niedersachsen auf Rekordniveau. Warum Bund und Land dringend handeln müssen, ist im #schlaglicht 16/2018 zu lesen.

Schatten von Menschen auf der Straße

DGB/Ivan Stevanovic/123rf.com

Zurzeit kennen die Erfolgsmeldungen am Arbeitsmarkt offenbar keine Grenzen. Kaum ein Monat vergeht, in dem die Bundesagentur für Arbeit nicht einen Rückgang der Arbeitslosenzahlen verkündet. Das gilt auch für Niedersachsen. Mit Beginn der Herbstsaison ist die Arbeitslosenquote auf 5,1 Prozent gesunken. Der Ausblick auf das kommende Jahr scheint blendend. In der Öffentlichkeit wird der Mythos einer kurz bevorstehenden Vollbeschäftigung beschworen, so dass die Arbeitgeber bereits das Klagelied vom allgemeinen Fachkräftemangel anstimmen. Herrschen also paradiesische Zustände für die Beschäftigten? Weit gefehlt!

Gute Tarifabschlüsse sorgen für bessere Löhne...
Zweifellos ist es richtig, dass viele Beschäftigte vom gegenwärtigen Aufschwung profitiert haben. Nach Jahren des Stillstands steigen die Reallöhne endlich wieder kräftig. Die jüngsten innovativen Tarifabschlüsse der Gewerkschaften sichern den Beschäftigten mehr Geld im Portemonnaie und mehr Selbstbestimmung bei ihrer Lebensplanung.

...aber die prekäre Beschäftigung liegt auf Rekordniveau.
Dennoch gilt: Die gute Konjunktur kommt nicht überall an. Nur noch 57 Prozent der niedersächsischen Beschäftigten werden nach Tarifvertrag bezahlt. Für viele ist Gute Arbeit keine Selbstverständlichkeit. Das Normalarbeitsverhältnis befindet sich auf dem Rückzug. Stattdessen nimmt atypische Beschäftigung enorm zu. Leih- und Teilzeitarbeit sowie geringfügige Beschäftigungsverhältnisse (z.B. Minijobs) sind zusammen auf einem Rekordniveau angelangt. In Niedersachsen betrifft dies über 42 Prozent aller abhängig Beschäftigten, 2,5 Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt. Ebenso alarmierend: 284.500 Menschen haben nur einen befristeten Arbeitsvertrag. Für mehr als die Hälfte davon gibt es keinen sachlichen Grund. Beides sind neue Höchststande. Für die Betroffenen liegt eine verlässliche Lebensplanung damit in weiter Ferne. Mit befristeten Arbeitsverträgen ist es schwerer, eine Wohnung zu mieten, einen Kredit zu bekommen oder gar eine Familie zu gründen.

Entwicklung von atypischen Beschäftigungsformen in Niedersachsen

DGB

Zu viele mit Niedriglöhnen abgespeist!
Parallel besteht das Problem des großen Niedriglohnsektors. Fast jeder vierte Beschäftigte ist betroffen. Ihre ohnehin prekäre Situation wird durch die zahlreichen Mindestlohnverstöße noch verschärft. 212.000 Beschäftigte in Niedersachsen werden um ihren hart erarbeiteten Lohn betrogen. Das Ausmaß an krimineller Energie und Tricksereien ist bei vielen Arbeitgebern so grenzenlos wie obszön.

Politik muss konsequent einschreiten!
Offensichtlich ist in der Vergangenheit einiges aus dem Ruder gelaufen. Wenn Unternehmen selbst bei einer seit Jahren brummenden Konjunktur nicht bereit sind, tariflich abgesicherte und unbefristete Arbeitsplätze mit guter Bezahlung zu schaffen, wie würde es erst in einer Abschwungphase aussehen? Eine solche Entwicklung ist für unsere Gesellschaft brandgefährlich. Sie verursacht Ungleichheit und gefährdet den sozialen Zusammenhalt. Sowohl die Bundes- als auch die Landesregierung müssen sich stärker als bisher für Gute Arbeit einsetzen. Maßnahmen, um den Niedriglohnsektor trockenzulegen, konsequentes Durchgreifen gegen Mindestlohnbetrügereien, die Abschaffung sachgrundloser Befristungen und die Stärkung der Tarifbindung gehören ganz oben auf die Agenda. Nur dann kommt der Aufschwung bei denen an, die ihn am nötigsten haben.

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