Deutscher Gewerkschaftsbund

20.09.2018
#schlaglicht 13/2018

Digitalisierung: Beschäftigte in Mittelpunkt rücken!

Die Digitalisierung ist in aller Munde. Doch bisher werden vor allem ihre technischen Aspekte diskutiert. Die Rolle der Beschäftigten bleibt dabei unterbelichtet. Warum sich das ändern muss, ist im #schlaglicht 13/2018 zu lesen.

Nahaufnahme wibliches Auge im Fadenkreuz

DGB/Lukas Gojda/123rf.com

Die digitale Transformation ist in Niedersachsen angekommen. Zumindest, wenn man den sogenannten Digitalisierungsminister Althusmann fragt. Dieser hat im August stolz seinen Masterplan präsentiert, der ein Finanzvolumen von über einer Mrd. Euro hat. Der Schwerpunkt soll auf dem Ausbau der Netzinfrastruktur und des E-Governments liegen. Beide Vorhaben werden mit 500 Mio. Euro bzw. 200 Mio. Euro bedacht. Daneben sind weitere Projekte mit geringeren finanziellen Mitteln geplant.

Chronische Investionsschwäche setzt sich fort
So weit, so gut: Die Landesregierung nimmt Geld in die Hand und packt dieses Zukunftsthema an. Umfassende Investitionen für die digitale Infrastruktur sind dringend notwendig. Doch dafür reicht der Masterplan nicht aus. Kaum hatte er das Tageslicht erblickt, musste das Wirtschaftsministerium zähneknirschend einräumen, dass allein die Versorgung aller Haushalte mit Gigabit-Anschlüssen 10,4 Mrd. Euro kosten wird. Die Kosten sind also gerade einmal zu einem Zwanzigstel gedeckt. Statt zu klotzen, wird wieder nur gekleckert. Die schon aus anderen Bereichen bekannte, chronische Investitionsschwäche des Landes setzt sich nahtlos fort. Kaum ein Spatenstich ist getan, da ist der pompöse Masterplan zum mickrigen Masterplänchen mutiert.

Beschäftigte dürfen nicht vergessen werden
Noch aus einem anderen Grund kratzt der „Meister-Entwurf“ nur an der Oberfläche: Die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Beschäftigten finden kaum Berücksichtigung. Dabei hat sie bereits jetzt massiven Einfluss auf eingespielte Formen der Arbeitsorganisation und etablierte Geschäftsmodelle. Deshalb gehören diejenigen in den Mittelpunkt, die tagtäglich davon betroffen sind. Viele spüren die Effekte bereits am eigenen Leib. Ein Beispiel: Für 46 Prozent der niedersächsischen Beschäftigten hat die Zahl der gleichzeitig zu bearbeitenden Vorgänge durch die Digitalisierung zugenommen. Für fast jeden Zweiten sind die zu bewältigende Arbeitsmenge und die allgemeine Arbeitsbelastung angestiegen.

Anteil Vollzeit-Lehrkräfte mit Arbeitszeit über 48 Stunden, in Prozent

DGB

Mitbestimmung ist unbedingte Voraussetzung
Bei richtiger Gestaltung lässt sich die Digitalisierung dafür nutzen, neue Arbeitsfelder zu schaffen und Arbeitsbedingungen für alle zu verbessern. Voraussetzung ist, dass die Beschäftigten in den Transformationsprozess eingebunden sind. Aktive Mitbestimmung und die Nutzung ihres Know-hows ist unerlässlich, wenn der technologische Fortschritt den Menschen dienen soll. Wird den Interessen der Beschäftigten Priorität eingeräumt, können die neuen Arbeitsformen für viele durchaus attraktiv sein. Dazu bedarf es aber klarer Regeln: Verbindliche Gestaltungsrahmen für mobile Arbeit, die Beschränkung von digitaler Gängelung sowie der Schutz vor Entgrenzung und längeren Arbeitszeiten sind Pflicht.

Aus- und Weiterbildungsoffensive starten
Ebenso gehört das Thema Qualifizierung ganz oben auf die politische Agenda. Viele Tätigkeiten verändern sich oder entstehen im Rahmen der Digitalisierung neu. Um Ängsten vorzubeugen und Toleranz für Veränderungen zu schaffen, müssen die Beschäftigten durch eine umfassende Aus- und Weiterbildungsoffensive vorbereitet werden. Das bietet gleichzeitig die Chance für mehr Bildungsteilhabe und eine neue Lernkultur. Entsprechend muss die Landesregierung vor allem in die Menschen investieren. Denn Digitalisierung ist mehr als Kabel zu verbuddeln!

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