Deutscher Gewerkschaftsbund

29.11.2018
#schlaglicht 23/2018

Minijobs: Finger weg von Verdienstgrenzen!

Arbeitgeber fordern mal wieder, die Verdienstgrenzen von Minijobs anzuheben. Schon jetzt haben diese Jobs gravierende Nachteile für Beschäftigte. Sie sind schlecht bezahlt, unsicher und führen zu niedrigen Renten. Warum sie sich nicht noch weiter ausbreiten dürfen, erklärt das #schlaglicht 23/2018.

 

Schreiende Frau mit Putzutensilien

DGB/Piotr Marcinski/123rf.com

Alle Jahre wieder kommt das Christuskind. Darauf können sich die Menschen verlassen. Genauso sicher ist die alljährlich angezettelte Debatte von Arbeitgebern und ihnen wohlgesonnenen politischen Kreisen über eine Anhebung der Verdienstgrenzen bei den Minijobs. Doch anders als in der Heiligen Nacht über der Krippe, steht über diesem Vorschlag kein guter Stern. Oder anders ausgedrückt: Die Idee ist schlicht und einfach Murks!

Minjobs: Vorteilhaft für beide Seiten?
Zu den Fakten: Der Minijob ist der kleinste Job auf dem Arbeitsmarkt. Für ihn gilt eine gesetzliche Verdienstgrenze von derzeit 450 Euro. Beschäftigte mit Minijob müssen weder volle Beiträge zur Sozialversicherung noch Steuern zahlen. Der Arbeitgeber führt einen pauschalen Beitrag zur Kranken- und Rentenversicherung ab. Auf den ersten Blick wirkt das vorteilhaft für beide Seiten. Bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass Minijobs Gute Arbeit und Sozialstaat unterminieren.

Beschäftigte stecken in der Minijob-Falle...
Gelegentlich machen Minijobs Sinn. Studierende verdienen gerne etwas hinzu. Auch für saisonbedingte Auftragsspitzen können sie angemessen sein. Aber damit erschöpft sich ihr Potenzial. In der Regel sind sie vor allem eins: eine Sackgasse. Besonders Frauen, die nach längerer Familienphase den Wiedereinstieg in Arbeit suchen, bleiben häufig in der Minijob-Teilzeit-Falle stecken. Auf Angebote für mehr und besser bezahlte Arbeit warten Viele vergebens. Vor allem in der Gastronomie und Gebäudereinigung können viele Beschäftigte ein trauriges Liedchen davon singen.

...Arbeitgeber speisen Beschäftigte mit Niedriglöhnen ab.
Der Grund dafür ist simpel: Für die Arbeitgeber sind Minijobs eine prima Sache. Nur sie profitieren von den niedrigen Steuern und Abgaben. Sie kürzen die Löhne vorab, so dass viele Beschäftigte mit Minijob auf Mindestlohnniveau gedrückt werden. Die meisten haben keine Aussicht auf eine Vollzeitarbeit, Minijobs verdrängen reguläre Beschäftigung. Die Beschäftigten werden so zu Gefangenen im niedrig entlohnten Teilzeitnetz. Ihre eigene Existenz können sie dadurch kaum sichern. Zumal gravierende Folgeprobleme entstehen: Bei den von Arbeitgebern gezahlten Pauschalen und den eigenen Minimalbeiträgen bleibt später im Alter wenig Rente übrig. Wer auf Minijobs setzt, produziert Altersarmut!

Anzahl der Minijobs nach Geschlecht und Alter in Niedersachsen

DGB

Die im Moment diskutierte Anhebung der Verdienstgrenzen würde Minijobs für Arbeitgeber noch attraktiver machen. Zu dem ohnehin hohen Bestand würden bundesweit zusätzliche 500.000 Minijobs dazukommen. Dabei gibt es davon schon jetzt zu viele. Allein in Niedersachsen sind es über 760.000. 60 Prozent der Minijobber sind Frauen. Fast die Hälfte aller Beschäftigten mit Minijob ist mit 25 bis 55 Jahren im besten erwerbsfähigen Alter (siehe Grafik). Viele von ihnen sind sehr gut ausgebildet.

Sozialbeiträge müssen ab dem ersten Euro fällig werden!
Statt Verdienstgrenzen zu erhöhen, sind Minijobs zurückzudrängen. Sozialversicherungspflicht muss ab dem ersten Euro gelten. Dadurch würden vollwertige Teil- und Vollzeitstellen entstehen. Das wäre auch im Interesse der Arbeitgeber, die ständig über zu wenige Fachkräfte klagen. Wer aber über eine Anhebung der Verdienstgrenzen bei Minijobs reden will, der soll bitte schön auch vom Fachkräftemangel schweigen!

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