Deutscher Gewerkschaftsbund

26.07.2018
#schlaglicht 05/2018

Ausbildungsstart 2018: Nur 23 Prozent bilden aus!

Kurz vor dem Start des Ausbildungsjahrs üben sich Arbeitgeber wie immer in kollektivem Alarmismus. Doch die Zahlen zeigen: Zwischen den an Ausbildung Interessierten und den zur Verfügung stehenden Plätzen klafft eine große Lücke. Und immer weniger Betriebe bilden aus. Im #schlaglicht 05/2018 lesen Sie, wie die Misere auf dem Ausbildungsmarkt zu lösen ist.

Frau mit Pinseln

DGB/Simone M. Neumann

Jahr für Jahr ereignet sich das gleiche Schauspiel. Kaum steht der August und mit ihm der Start ins Ausbildungsjahr vor der Tür, geben sich die Arbeitgeber kollektiv einem marktschreierischen Alarmismus hin: In Niedersachsen fehlen tausende Azubis, unzählige Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt, der Mangel an Fachkräften wirft seine dunklen Schatten voraus und gefährdet die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes.

Niedersachsen bundesweites Schlusslicht bei Angebots-Nachfrage-Relation
Nach diesem Ausflug ins unternehmerische Märchenland bietet sich ein Blick auf die harten Fakten an. Das Bundesinstitut für Berufliche Bildung veröffentlicht jedes Jahr im Dezember die Zahlen der tatsächlich abgeschlossenen Ausbildungsverträge und zeichnet Trends auf dem Ausbildungsmarkt nach: Auf 100 Personen, die sich 2017 in Niedersachsen um eine Ausbildung bewarben, kamen 88,8 Ausbildungsstellen. Im Klartext: Zwischen der Zahl der an Ausbildung Interessierten und den zur Verfügung stehenden Plätzen klafft eine große Lücke. Mit dieser Angebots-Nachfrage-Relation ist Niedersachsen unter den Flächenländern bundesweites Schlusslicht. Insgesamt fehlten im letzten Jahr 4.339 Ausbildungsplätze.

Quote der auszubildenden Betriebe sinkt kontinuierlich
Viel zu wenige Arbeitgeber bieten jungen Menschen überhaupt noch eine Ausbildung an. Die Quote der niedersächsischen Ausbildungsbetriebe sinkt seit Jahren kontinuierlich. Gerade einmal 23 Prozent bilden aus, obwohl 100 Prozent von qualifizierten Fachkräften profitieren. Über diese für einen großen Industrie- und Dienstleistungsstandort wie Niedersachsen traurige Entwicklung kann auch der jährliche Aufschrei der Arbeitgeber nicht hinwegtäuschen.


 

Grafik Ausbildungsplatzmangel

DGB


Neben dem allgemeinen Trend des Ausbildungsplatzmangels bestehen große Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen. Ausbildungsplätze in der Gastronomie sind in der Tat schwerer zu besetzen. Die Begründung dafür ist denkbar einfach: Es liegt nicht am generellen Desinteresse der jungen Menschen, sondern an den zum Teil miserablen Ausbildungsbedingungen. Schlechte Ausbildungsqualität, ständige Überstunden und niedrige Vergütungen sind nun einmal nicht geeignet, die Attraktivität und Anziehungskraft der Branche zu steigern. Wenn eine angehende Köchin im Online-Beratungsforum „Dr. Azubi“ verunsichert nachfragt, ob sie nach wochenlanger Arbeit um ein freies Wochenende bitten dürfe, veranschaulicht dies das ganze Dilemma: Statt Ausbildung gibt es Ausbeutung!

Nur mehr und besser ausbilden hilft!
Um die Misere auf dem Ausbildungsmarkt zu lösen, müssen sich die Arbeitgeber an die eigene Nase fassen. Denn es herrscht kein Mangel an potenziellen Auszubildenden, sondern ein Mangel an Ausbildungsplätzen. Sie müssen endlich die Zahl der Ausbildungsstellen erhöhen. Am besten lässt sich dies durch eine Ausbildungsplatzgarantie erreichen. Eine Umlagefinanzierung würde die vorbildlichen Unternehmen belohnen, die seit Jahren ausbilden, und die Nutznießer finanziell stärker in die Pflicht nehmen. Zusätzlich müssen die Betriebe die Ausbildungsbedingungen wesentlich attraktiver gestalten, um junge Menschen für sich zu begeistern und an sich zu binden.


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