Deutscher Gewerkschaftsbund

15.11.2018
#schlaglicht 21/2018

Schlachthöfe: Ausbeutung ist Wurzel allen Übels!

Ob prekäre Arbeitsbedingungen oder missachteter Tier- und Verbraucherschutz - die Fleischwirtschaft in Niedersachsen kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus. Doch Landwirtschafts- und Sozialministerium agieren zögerlich, der Wirtschafts- und Arbeitsminister schweigt sich aus. Warum eine härtere Gangart gegenüber den Betrieben dringend erforderlich ist, erklärt das #schlaglicht 21/2018.

Arbeitnehmer im Schlachthof

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Die Fleischwirtschaft in Niedersachsen kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus. Mit welcher Hartnäckigkeit die Branche an ihrem Negativimage bastelt, lässt Außenstehende nur noch schockiert zurück. Die Mängelliste wird lang und immer länger. Ob nun prekäre Arbeitsbedingungen oder missachteter Tier- und Verbraucherschutz, das Gesamtbild ist absolut verheerend.

Arbeitgeber schiebt skandalöse Zustände Beschäftigten in die Schuhe
Neustes Beispiel: Der Skandal um die schockierenden Bilder aus dem Schlachthof der GK Oldenburg. Und was macht die Unternehmensführung? Die hatte nichts Besseres zu tun, als den Schwarzen Peter umgehend den Beschäftigten in die Schuhe zu schieben. Die Verstöße gegen den Tierschutz werden den von einem Subunternehmen per Werkvertrag eingesetzten Beschäftigten angelastet. Selbst einmal Verantwortung übernehmen? Fehlanzeige!

Kaum noch Stammbelegschaften in den Betrieben
Doch mit simplen Schuldzuweisungen an die Beschäftigten ist es nicht getan. Die Probleme der Branche greifen tiefer und sind struktureller Natur. Es gilt nur noch das Motto: Billig ist nicht billig genug. Entsprechend pfeifen die meisten Schlachthöfe auf gute Arbeits- und Entgeltbedingungen. Das hat dazu geführt, dass rund 50 Prozent der Beschäftigten mit schlecht bezahlten Werkverträgen abgespeist werden. In der Spitze sind es sogar bis zu 90 Prozent. Damit wird das Kerngeschäft der Betriebe nur noch zu einem Bruchteil von Stammbelegschaften erledigt. Absurder geht immer!

Ausländische Beschäftigte mit Werkverträgen oft ungenügend informiert
Viele der Beschäftigten mit Werkverträgen kommen aus dem EU-Ausland, insbesondere aus Osteuropa. Sie sind „mobile Beschäftigte“. In der Regel kennen sie ihre Rechte als Beschäftigte nicht und sind ungenügend auf ihre Tätigkeit vorbereitet. Vielen mangelt es an Sprachkenntnissen. Dadurch entstehen leichter Fehler. Ein Vorwurf ist ihnen daraus nicht zu machen. Den Schlachthöfen und Subunternehmen, die keine Qualifizierung betreiben, aber sehr wohl.

Beratung zeigt: Ausbeutung ist gang und gäbe
Deutlich sichtbar wird das Ausmaß der Ausbeutung beim Thema Lohn. Das Projekt „Faire Mobilität“ berät und unterstützt mobile Beschäftigte in Niedersachsen bei ihrer Arbeit; besonders auch in der Fleischindustrie. Topthema bei den Beratungen ist die Entlohnung bzw. nicht gezahlte Löhne. Ein Viertel aller mobilen Beschäftigten in der gesamten Branche ist betroffen. Betrug um das verdiente Geld wird immer mehr zum beschämenden Regelfall.

Die Top 5 Beratungsthemen bei mobilen Beschäftigten in der Fleischindustrie

DGB

Klar ist: Die Zustände auf den Schlachthöfen haben das Maß des Erträglichen überschritten. Werkverträge müssen zurückgedrängt und die Beschäftigten besser qualifiziert werden. Und auch die Landesregierung ist stärker gefragt. Landwirtschafts- und Sozialministerium agieren zögerlich, der Wirtschafts- und Arbeitsminister schweigt sich aus.

Härtere Gangart der Landesregierung dringend erforderlich
Runde Tische und aktuelle Stunden im Landtag haben einen gewissen Showcharakter, ändern aber nichts. Schwarzen Schafen die Betriebserlaubnis zu entziehen, darf kein Tabu sein. Dazu müssen endlich engmaschige Kontrollsysteme greifen. Finanzkontrolle Schwarzarbeit, Gewerbeaufsicht und Veterinäramt müssen regelmäßig zur Tat schreiten. Dafür müssen sie personell in die Lage versetzt werden. Davon profitieren alle: Beschäftigte, seriöse Unternehmen und Kundschaft!

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