Was lange währt, wird endlich gut. Jahrelang hat sich der DGB für ein vergünstigtes ÖPNV-Ticket für Auszubildende eingesetzt, nun hat die Niedersächsische Landesregierung geliefert. Ab dem 1. Januar 2026 bezuschusst das Land das Deutschlandticket, wodurch der Preis von 63 Euro auf 50,40 Euro sinkt. Übernimmt der Arbeitgeber zusätzlich mindestens 25 Prozent der Kosten, erhöht sich der landesseitige Anteil nochmals, so dass sich ein Ticketpreis von 31,50 Euro ergibt. Dies ist ein wichtiger Beitrag, um die Attraktivität der dualen Ausbildung und die Mobilität junger Menschen zu stärken.
Mangelware Ausbildungsbetriebe
So positiv diese Nachricht ist, darf dabei nicht unter den Tisch fallen, welche Steine Jugendlichen immer noch den Weg ins Berufsleben verbauen. Obwohl die Arbeitgeber den Fachkräftemangel lautstark bejammern, sinkt die Quote der Ausbildungsbetriebe stetig. Zuletzt waren in Niedersachsen noch über 10.000 junge Menschen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz, während die Betriebe nur 3.840 offene Ausbildungsplätze anbieten. Auf einen Ausbildungsplatz kommen durchschnittlich 2,7 Bewerber*innen, womit ein auswahlfähiges Angebot nicht gegeben ist.
Einstiegshürden bei der Ausbildung
Probleme gibt es auch an anderen Stellen. In seinem kürzlich vorgestellten Ausbildungsreport für Niedersachsen und Bremen zeigt der DGB deutlich die Einstiegshürden auf. Der Zugang zur Ausbildung ist stark vom Familien- und Bekanntenkreis, Eigenrecherche und praktischen Erfahrungen geprägt. Beratungsleistungen der Agenturen und die Berufsorientierung in den Schulen spielen nur eine Nebenrolle als Hilfe bei der Suche nach dem richtigen Ausbildungsplatz (siehe Grafik). Dies liegt vor allem daran, dass die Angebote wenig bekannt sind oder im schulischen Bereich Defizite aufweisen.
Chancengleichheit nicht gegeben
Leidtragende dieser Situation sind gerade die jungen Menschen, die nicht über ein unterstützendes soziales Umfeld und die nötigen Kontakte verfügen. Gut vernetzten und gesellschaftlich einge-bundenen Jugendlichen gelingt es deutlich besser, auch ohne institutionelle Beratungsstrukturen ihren Weg in einen Ausbildungsberuf zu finden. Von Chancengleichheit kann somit keine Rede sein. Vielmehr werden bereits vorher existierende Ungleichheiten durch das derzeitige System weiter fortgeschrieben statt aufgelöst.
Ankerfach Berufsorientierung einführen
Umso wichtiger ist strukturelles Gegensteuern auf Landesebene – insbesondere bei der Berufsorientierung. Es sollte ein Ankerfach für alle ab Klasse 7 eingeführt werden, in dem die Berufsorientierung strukturiert, klischeefrei und praxisnah durchgeführt werden kann, um jungen Menschen einen beruflichen Kompass zu geben. Parallel dazu braucht es eine Bildungs-ID, mit der sich die Wege der Jugendlichen bis zum Erwerb der ersten Berufsqualifikation nachvollziehen und unterstützen lassen.
Ausbildungsfonds als Instrument
Und darüber hinaus müssen sich endlich alle Betriebe an den Kosten der Ausbildung beteiligen. Schließlich profitieren auch alle von ausgebildeten Fachkräften. Ein Ausbildungsfonds, in den alle einzahlen, die nicht ausbilden, wäre ein wirksames Instrument. Wer ausbildet, soll hingegen unterstützt werden. Bremen hat mit seinem Fonds echte Pionierarbeit geleistet und ist zur Nachahmung empfohlen. Denn niemand darf verloren gehen.
#Schlaglicht 38/2025 - Ausbildungsmarkt: Hürden abbauen, Betriebstore öffnen (PDF, 164 kB)