Sie ist der Grundstein für ein hohes Maß an Fachexpertise und ein erfolgreiches Berufsleben – die duale Ausbildung. Nur 3,8 Prozent betrug die Arbeitslosenquote der Beschäftigten mit einer betrieblicher Berufsausbildung 2025 in Niedersachsen, etwa die Hälfte des Durchschnitts der Gesamtwirtschaft. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig geleisteten Arbeitstage liegt bundesweit zwanzig Jahre nach dem Ausbildungsbeginn um den Faktor 1,5 höher als bei denjenigen, ohne eine entsprechende Qualifikation. Auf gut ausgebildete Fachkräfte können die Arbeitgeber eben nur schwer verzichten. Zumindest in der Theorie.
Zu wenig Ausbildungsbereitschaft
Denn trotz aller Vorzüge hat das Erfolgsmodell mit Defiziten zu kämpfen. Seit Jahren rutscht die Quote der niedersächsischen Ausbildungsbetriebe immer weiter ab, nur noch rund ein Fünftel von ihnen bildet selbst aus (siehe Grafik). Zu oft wird eine Art Bestenauslese betrieben, wodurch viele junge Menschen bei der Suche nach einen Ausbildungsplatz unter den Tisch fallen. Die Lage ist dramatisch: 20,9 Prozent der 20- bis 34-Jährigen stehen inzwischen ohne Berufsabschluss da. So werden Lebensperspektiven verbaut, während Fachkräftebedarfe ungedeckt bleiben.
Ausbildungsfonds als Gegenmittel
An dieser Stelle ist es mit bloßen Appellen nicht mehr getan. Die duale Ausbildung ist eine betriebliche Gesamtaufgabe, von der niemand ausgenommen werden darf. Über einen Ausbildungsfonds auf Landesebene müssen sich alle Betriebe solidarisch an den finanziellen Kosten beteiligen, um damit das Angebot an Ausbildungsplätze zu steigern und deren Qualität zu verbessern. Bremen hat hierbei bereits Pionierarbeit geleistet. Und auch in der Pflegebranche und dem Baugewerbe wird dieses Instrument schon erfolgreich angewendet, gerade weil die Arbeitgeber konstruktiv mitwirken.
Finanzieller Druck auf Azubis
Doch auch wer einen Ausbildungsplatz ergattern kann, sieht sich mit Problemen konfrontiert. Laut dem DGB-Ausbildungsreport 2025 können fast zwei Drittel der Auszubildenden kaum von ihrer Vergütung selbstständig leben. Entgegen ihren Wünschen bleibt eine eigene Wohnung oder auch ein Wohnungswechsel aufgrund des präferierten Ausbildungsplatzes oft nur ein Luftschloss, da hohe Fahrtkosten und steigende Mietpreise zu viel von ihren ohnehin kleinen Budget verschlingen.
Wohnungsfrage bisher unterbelichtet
An einer wichtigen Stellschraube hat die rot-grüne Landesregierung diesbezüglich bereits gedreht. Mit der Einführung des preiswerten Azubi-Tickets wird eine verbesserte Mobilität zwischen Betrieb, Berufsschule und Wohnort gewährleistet. Nun gehört das Azubi-Wohnen auf die politische Tagesordnung. Über das Sonderprogramm Junges Wohnen wurden 2024 in Niedersachsen gerade einmal 393 Wohnheimplätze für Auszubildende und Studierende gefördert. Für mehr bezahlbaren Wohnraum sind dringend weitere Anstrengungen notwendig.
Mehr Gute Arbeit in der Ausbildung
Nicht zuletzt müssen auch die Arbeitsbedingungen und Ausbildungsvergütungen in den Fokus rücken. Da die Mindestausbildungsvergütung zwar eine richtige, aber nur unterste Haltelinie darstellt, ist elementar, die Tarifbindung zu steigern, um die Attraktivität der beruflichen Bildung zu stärken und jungen Menschen den Weg in Richtung Selbstständigkeit und Unabhängigkeit zu ebnen.
#schlaglicht 10/2026 - Berufliche Bildung: Einstieg ins Berufsleben stärken (pdf)