Betriebsratswahlen: Das Kreuz für Gute Arbeit

Datum

Dachzeile #schlaglicht 05/2026

Es war ein langer Atem notwendig, aber nun wurde endlich eine Einigung erzielt. Im engen Schulterschluss mit der IG Metall ist es dem Betriebsrat bei MAN in Salzgitter gelungen, einen verbindlichen Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis mindestens 2035 auszuhandeln. Daneben gibt es vom Bus- und Lastwagenhersteller eine Investitionszusage für den Standort, tarifliche Leistungen werden dafür nicht angetastet. Einmal mehr zeigt sich: Mitbestimmung wirkt. Sie ist die Grundlage für eine sozial gerechte Transformation und gestaltet die Zukunft mit den Beschäftigten.

Betriebsratswahlen stehen an

Genau dafür sind von Anfang März bis Ende Mai wieder die Stimmen der Belegschaften gefragt. Dann finden bundesweit nach vier Jahren turnusgemäß in vielen Betrieben die Betriebswahlen statt. Besonders stark ausgeprägt ist die betriebliche Interessenvertretung in den Bereichen Energie, Finanzgewerbe und Produktionsgüter. In Branchen wie dem Einzelhandel oder dem Gastgewerbe mit eher kleineren Betriebsstrukturen ist sie weniger etabliert (siehe Grafik). Doch auch dort sollte die Karte der Mitbestimmung unbedingt gezogen werden. Es lohnt sich.

Viele Vorteile durch Betriebsräte

Denn Betriebsräte sind weitaus mehr als bewährte Krisenmanager. Dort, wo sie tätig sind, ergibt sich ein ganzes Bündel an substanziellen Vorteilen. Viele empirische Studien zeigen, dass Beschäftigte von höheren Löhnen und weniger Einkommensungleichheit, einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie mehr Weiterbildungsangeboten profitieren. Gleichzeitig sind mitbestimmte Betriebe produktiver, innovativer und ökologisch nachhaltiger als Konkurrenten. Kommt es zu betrieblichen Automatisierungsprozessen, erhöhen Betriebsräte zudem die Arbeitsplatzsicherheit. Für Gute Arbeit sind sie die erste Wahl.

Mitbestimmung stärkt Demokratie

Dabei beschränkt sich der positive Einfluss der Mitbestimmung keineswegs nur auf die Betriebsebene. Können Beschäftigte Ideen einbringen und ihre Situation kollektiv verbessern, führt dies zu einem Gefühl von eigener Wirksamkeit. Jenseits der Werktore spiegelt sich dies in einem erhöhten politischen Interesse wider. Die Beschäftigten sind durchschnittlich zufriedener mit der Demokratie als diejenigen ohne Interessenvertretung.

Union Busting kein Kavaliersdelikt

Umso schlimmer ist es, dass viele Arbeitgeber von Mitbestimmung nichts wissen wollen oder sie sogar aktiv bekämpfen. Laut einer Befragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) wird etwa jede fünfte Neugründung von Betriebsräten von ihnen behindert. Eine Straftat, bei der auf schmutzige Tricks zurückgegriffen wird, wobei Maßnahmen gegen bereits gewählte Betriebsräte nicht minder schwerwiegen.

Betriebsräte brauchen Rückendeckung

Es war daher das richtige Signal, als die Niedersächsische Landesregierung im letzten Jahr eine Bundesratsinitiative zum Schutz von Betriebsgremien und einer Weiterentwicklung der Betriebsratsrechte einbrachte. Auf Bundesebene müssen dazu endlich Taten folgen. Die Beschäftigten sollten hingegen das Recht nutzen, um ihre Interessenvertretungen ab März mit einem starken Mandat auszustatten. Und dort, wo noch kein Betriebsrat vorhanden ist, muss es nicht so bleiben. Die DGB-Gewerkschaften zur Unterstützung immer bereit.

#schlaglicht 05/2026 - Betriebsratswahlen: Das Kreuz für Gute Arbeit (pdf)

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