Frauentag als Feiertag? Selbstverständlich!

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Dachzeile #schlaglicht 08/2026

Wer etwas über den Stand der Gleichstellung in Deutschland erfahren will, sollte sich ein paar Fakten zu Gemüte führen. Bei der Aufteilung von unbezahlter Haus- und Sorgearbeit stagniert die Geschlechterungleichheit auf hohem Niveau. Die Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern beträgt noch immer 16 Prozent und Altersarmut ist weiterhin ein weiblich geprägtes Phänomen. Jede dritte Frau macht in ihrem Leben Erfahrungen mit Gewalt, meistens innerhalb der eigenen vier Wände. Unterdessen greifen antifeministische Hetze und Parolen wieder vermehrt um sich.

8. März zum Feiertag machen

Das sind die Vorzeichen, unter denen der Internationale Frauentag, dessen Ursprung auf die frühe Frauenbewegung im 20. Jahrhundert zurückgeht, 2026 begangen wird. Mittlerweile ist es fünfzig Jahre her, dass die Vereinten Nationen erstmals am 8. März eine Feier ausrichteten und zur weltweiten Etablierung dieses Datums entscheidend beitrugen. Anlässlich dieses historischen Termins fordern ver.di und der DGB im Rahmen eines breiten Bündnisses die Niedersächsische Landesregierung dazu auf, den Frauentag zum gesetzlichen Feiertag zu erklären. Die Zeit ist reif.

Geschlechtergerechtigkeit ins Zentrum

Hierbei geht es um weit mehr als Symbolpolitik. Vielmehr soll der Frauentag als Feiertag dazu dienen, strukturelle Benachteiligungen und Diskriminierungen von Frauen stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken und den hohen Stellenwert der Geschlechtergerechtigkeit als Säule der Demokratie unterstreichen. Denn trotz aller bisherigen Fortschritte sind die Defizite bei der Gleichberechtigung in Bezug auf Lebens- und Arbeitsbedingungen, Mitbestimmung und Partizipation immer noch offenkundig. Die Einführung eines Feiertages wäre daher ein starkes Signal für Gleichstellung.

Ökonomisch nicht bedenklich

Und bevor das Arbeitgeberlager gleich Schnappatmung bekommt: Nein, ein zusätzlicher Feiertag ist keine Wachstumsbremse. Schon als der Reformationstag nach 2017 in den norddeutschen Bundes-ländern inklusive Niedersachsen dauerhaft als Feiertag beibehalten wurde, fiel dort im Folgejahr das Wirtschaftswachstum (BIP) höher aus als in den Bundesländern, in denen er eine einmalige Ausnahme blieb (siehe Grafik). Die simple Gleichung, wonach mehr Arbeit sich auch wirtschaftlich bemerkbar macht, geht schlicht nicht auf.

Wenig Feiertage in Niedersachsen

Außerdem besteht bezüglich der Anzahl der Feiertage immer noch Nachholbedarf. Während in Bayern, Baden-Württemberg, Saarland und teilweise Sachsen zwölf gesetzliche Feiertage gelten, gehört Niedersachsen mit nur zehn Feiertagen zu den Schlusslichtern. Es wäre deshalb ein wichtiges Zeichen der Gerechtigkeit, wenn das Land es Berlin und Mecklenburg-Vorpommern gleichtun würde und dem Thema der Gleichstellung der Geschlechter einen Feiertag widmen würde.

Landesregierung ist nun am Zug

Dazu liegt nun der Ball in der Spielhälfte der Landesregierung. Im November 2025 entschied der Niedersächsische Landtag, das Anliegen der Einführung des Internationalen Frauentages als gesetzlichen Feiertag an das Innenministerium zur Prüfung zu übergeben. Wenn dieses Verfahren nächste Woche mit einem Runden Tisch startet, erwarten viele Institutionen ein zügiges Verfahren mit einem selbstverständlich positiven Ausgang.

#schlaglicht 08/2026 - Frauentag als Feiertag? Selbstverständlich! (pdf)

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