Am 1. Juni ist internationaler Kindertag. In diesem Jahr fällt er auf einen Sonntag. Ideal für einen gemeinsamen Tag oder einen Ausflug mit der Familie. On top ein kleines Geschenk. Neben Spaß und Spiel steht der Kindertag in 145 Ländern aber insbesondere für die Rechte und Bedürfnisse von Kindern. Dass diese oft zu kurz kommen oder gar missachtet werden, zeigt sich an der Situation von Kindern, die in Armut aufwachsen müssen.
Armut bedeutet Ausgrenzung
Armut ist vielschichtig und meint mehr als Hunger oder pures Leid. Armut steht für „Abgehängtsein“, für ein Leben, in dem gesundes Essen oder Aktivitäten wie ins Kino gehen und in den Urlaub fahren keine Selbstverständlichkeiten sind. Armut bedeutet für Kinder: mangelnde gesellschaftliche Teilhabe, soziale Ausgrenzung, schlechtere Bildungschancen oder sogar Beeinträchtigungen der körperlichen und gesundheitlichen Entwicklung. Ein untragbarer Zustand, den sich ein reiches Land wie Deutschland „leistet“!
Jedes 4. Kind in Sachsen-Anhalt lebt in Armut
Tatsächlich liegt die Kinder- und Jugendarmut in Deutschland seit Jahren auf einem besorgniserregend hohen Niveau. Jedes fünfte Kind ist von Armut bedroht. In Sachsen-Anhalt ist es sogar jedes vierte (siehe Grafik). Zugrunde gelegt wird hier das mittlere Einkommen (Median). Liegt es in einem Haushalt unter 50 Prozent, gelten Personen als arm. Erschwerend hinzu kommt, dass die Wege aus der Armut meist verbaut sind. Laut OECD braucht es statistisch gesehen sechs Generationen, damit ein Kind einkommensschwacher Eltern später ein durchschnittliches Einkommen erreicht und damit nicht mehr in Armut lebt.
Schere zwischen arm und reich wird größer
Der Befund ist eindeutig. Armut ist weitverbreitet und verfestigt sich. Woran liegt das? Ein Grund ist die ungleiche Einkommensverteilung. Hohe Einkommen galoppieren davon, niedrige Einkommen verharren oft auf niedrigem Niveau. Das führt dazu, dass arme Haushalte im Vergleich zur „wohlhabenderen“ Hälfte der Gesellschaft mit immer weniger Einkommen auskommen müssen. Die vielzitierte Schere zwischen arm und reich, sie wird tatsächlich immer größer.
Ziel: gerechte Steuerpolitik!
Angezeigt wäre zuvorderst eine gerechtere Steuerpolitik, die hohe Einkommen und Vermögen stärker zur Verantwortung zieht, mittlere und kleinere Einkommen entlastet und dabei größere sozialpolitische Spielräume ermöglicht. Stichwort: Schere schließen! Die frisch gewählte Bundesregierung hat zumindest bei den kleinen und mittleren Einkommen Handlungsbedarf erkannt. Doch das reicht nicht. Die hohen Einkommen müssen mehr beitragen.
Soziale Teilhabe für alle
Staatliche Leistungen müssen an die allgemeine Einkommensentwicklung angepasst werden, damit nicht immer mehr Menschen unter die Armutsgrenze fallen. Aus dem epochalen Scheitern der Kindergrundsicherung müssen die richtigen Schlüsse gezogen werden. Für soziale Teilhabe sind kostenfreie Mobilität und Bildung inklusive einer verstetigten Kita- und Schulsozialarbeit, bessere Gesundheitsförderung und -versorgung sowie armutssensible Beteiligungsstrukturen unabdingbar. Niemand darf ins Bodenlose fallen, erst recht nicht unsere Kinder.