Am kommenden Dienstag ist der diesjährige „Orange Day“. Am Tag gegen Gewalt an Frauen wird mit der Signalfarbe auf dieses Thema aufmerksam gemacht. Historisch geht er auf die Geschichte der „Schmetterlinge“ zurück. Dies war der Deckname der drei Mirabal-Schwestern, welche in der dominikanischen Republik gegen die Diktatur gekämpft haben und dafür brutal ermordet wurden. 1981 wurde der 25. November auf dem ersten lateinamerikanisch-feministischen Kongress als Aktionstag beschlossen, die UN-Generalversammlung 1991 hat nachgezogen.
Gewalt gegen Frauen hat Struktur
Jede dritte Frau hat in ihrem Leben schon einmal Gewalterfahrungen gemacht. Dazu zählen nicht nur körperliche Übergriffe, sondern auch psychische oder digitale Gewalt. Um dem entgegenzuwirken, ist es wichtig anzuerkennen, dass die Gewalt strukturell ist. Sie passiert nicht willkürlich, sondern resultiert aus dem patriarchalen System, in dem alles Weibliche tendenziell abgewertet, unterworfen und kontrolliert wird. Gewaltschutz muss sich also nicht nur auf Opfer beziehen, sondern Prävention und Aufklärung mitdenken.
Weibliche Opferzahlen steigen stetig
Dass noch viel zu tun ist, machen die amtlichen Statistiken mehr als deutlich. So wurden 2024 in Deutschland fast 200.000 Frauen Opfer von häuslicher Gewalt, meist ausgeübt durch ihren (Ex-)Partner. Die Fallzahlen sind in nur vier Jahren um mehr als ein Viertel angestiegen (siehe Grafik). Digitale Gewalt gegen Frauen nahm laut eines BKA-Lageberichts in den letzten Jahren ebenfalls um 25 Prozent zu. Die Straftaten gegen queere Personen haben sich seit 2010 fast verzehnfacht. Es sind Zahlen, die schockieren, wobei von hohen Dunkelziffern ausgegangen werden muss.
Konkrete Gegenmaßnahmen erforderlich
Anlässlich des Orange Days fordert der DGB die Politik dazu auf, umgehend konkrete Schritte gegen Gewalt an Frauen umzusetzen. Dazu zählen Investitionen in Forschung und Bildung sowie die Aufnahme von Präventionsmaßnahmen in Curricula. Nur so können die tatsächlichen Ursachen benannt werden, statt die Schuld bei Fremden oder marginalisierten Gruppen zu suchen. Zusätzlich muss die Prävention sexualisierter und digitaler Gewalt am Arbeitsplatz konsequent thematisiert und fest im Arbeitsschutz verankert werden.
Landesregierung in der Pflicht
Ausdrücklich zu begrüßen ist, dass vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung eine Stelle für die Istanbul-Konvention eingerichtete wurde. Auch das beschlossene Gewalthilfegesetz ist ein Meilenstein. Die Landesregierung muss dieses unverzüglich umsetzen, so dass bis 2027 ein flächendeckendes Netz an Beratungs- und Schutzangeboten sichergestellt ist. Zudem braucht es ausreichend Ressourcen für präventive Täterarbeit, um Gewalt vorzubeugen, bevor sie entsteht.
Finanzierung langfristig sicherstellen
Um diese Ziele einhalten zu können und eine tatsächliche Verbesserung der Situation zu erreichen, müssen Gelder langfristig dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Dafür ist eine dauerhafte Finanzierung aller Maßnahmen sicherzustellen. Dementsprechend muss es jetzt zu einer Entfristung der Mittel des Bundes für das Gewalthilfegesetz kommen, denn: Der Schutz von Frauen gegen Gewalt in jeglicher Form darf kein Ablaufdatum haben!
#Schlaglicht 36/2025 - Orange Day 2025: Gewalthilfegesetz umsetzen. JETZT! (PDF, 161 kB)