Orange Day: Nein zu Gewalt an Frauen!

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Dachzeile #schlaglicht 11/24

Der vergangene Montag stand ganz im Zeichen von Orange. Am 25. November ist „Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen“, der bereits 1991 von den Vereinten Nationen (UN) ins Leben gerufen wurde. Die Farbe soll darauf aufmerksam machen, dass weltweit Frauen nach wie vor von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen sind und unter patriarchalen Strukturen leiden müssen. Aus diesem Anlass werden rund um den „Orange Day“ in Sachsen-Anhalt in vielen Städten zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen stattfinden. Das Thema verdient höchste Priorität.

Mindestens jede dritte Frau betroffen
Denn Gewalterfahrungen gehören auch in Deutschland für viele Frauen zur bitteren Realität – im Privatleben, am Arbeitsplatz oder auch im alltäglichen Umfeld. Dunkelfeldstudien gehen davon aus, dass etwa jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben betroffen ist. Die Gewaltformen sind dabei vielfältig. Was mit Mobbing, sexueller Belästigung oder unerwünschten Berührungen seinen Anfang nimmt, endet viel zu oft mit Körperverletzung, Vergewaltigung oder schlimmstenfalls sogar im Femizid. Im letzten Jahr wurden laut dem Bundeskriminalamt (BKA) 360 Mädchen und Frauen getötet. Fast jeden Tag ein Opfer!

Eigenes Zuhause kein sicherer Ort
Die besondere Dramatik lässt sich auch daran ablesen, dass für viele Frauen das eigene Zuhause kein sicherer Ort ist. Von 2019 bis 2023 ist die Zahl der von der Polizei registrierten Fälle von häuslicher Gewalt von 154.260 auf 180.715 angestiegen. Dies entspricht einem Zuwachs von 17 Prozent innerhalb von vier Jahren (siehe Grafik). Den Großteil der Delikte im häuslichen Kontext machten hierbei zuletzt verschiedene Formen der Köperverletzung, Bedrohung, Nötigung und Stalking aus. Gleichzeitig ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen, die nicht zur Anzeige gebracht werden.

Schutz und Hilfe für Frauen ausbauen
Klar ist: Angesichts dieser Entwicklung brauchen Frauen mehr Schutz und Unterstützung, um sicher und ohne ständige Angst leben können. Neben der notwendigen Prävention und gesellschaftlichen Sensibilisierung ist es zwingend erforderlich, dass für die von Gewalt betroffenen Opfer die entsprechenden Strukturen und Hilfsangebote konsequent gestärkt und ausgebaut werden.

Frauen brauchen mehr Schutzräume
Zurzeit gibt es bundesweit nur 7.000 Plätze in Frauenhäusern. Um die Vorgaben der Istanbul-Konvention, die endlich vollständig umgesetzt werden muss, zu erfüllen, fehlen etwa 14.000 Plätze. Das Land und die Kommunen in Sachsen-Anhalt stehen deshalb in der Verantwortung, deren Ausbau voranzutreiben. Sowohl in Ballungsgebieten als auch dezentral zur wohnortnahen Versorgung brauchen gewaltbetroffene Frauen mehr Schutzräume.

Gewalthilfegesetz muss kommen
Gleichzeitig muss sich die Landesregierung – trotz Ampel-Aus – auf Bundesebene für die Verabschiedung des Gewalthilfegesetzes einsetzen. Nach dem Kabinettsbeschluss muss es nun darum gehen, einen Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung bei geschlechtsspezifischer Gewalt sicherzustellen und einen einheitlichen Rechtsrahmen für eine verlässliche Finanzierung von Frauenhäusern zu schaffen. Das darf nicht dem parteitaktischen Wahlkalkül unterliegen. Daneben sind alle staatlichen Institutionen mit ausreichend Personal zur Bekämpfung häuslicher Gewalt handlungsfähig auszustatten. STOP! Schluss mit Gewalt an Frauen!

Schlaglicht_SAN_1124_Keine Gewalt an Frauen.pdf (PDF, 203 kB)

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