Das Wintersemester hat offiziell begonnen, ab Mitte des Monats füllen sich an den Universitäten und Hochschulen wieder die Seminarräume und Vorlesungssäle. Gleichzeitig nehmen dann allein 13.000 studentische Beschäftigte in Niedersachsen ihre Tätigkeit an den Instituten wieder auf. Als wissenschaftliche Hilfskräfte und Tutor*innen unterstützen sie den Lehrbetrieb und leisten damit einen ganz erheblichen Beitrag zur Qualität der Studiengänge. Für die universitären Abläufe sind sie unverzichtbar. Trotzdem lassen ihre eigenen Arbeitsbedingungen mehr als zu wünschen übrig.
Prekäre Arbeit bestimmt Alltag
Wie eine Befragung zeigt, sind studentische Beschäftigungen von Prekarität, Niedriglöhnen, Kettenverträgen und Abhängigkeiten geprägt. Fast 18 Prozent geben an, schon mal komplett ohne Arbeitsvertrag gearbeitet zu haben, 39 Prozent leisten monatliche Überstunden, weil sie Angst vor negativen Konsequenzen für ihre Karriere haben (siehe Grafik). Gleichzeitig sind die Studierenden meist gezwungen, sich mit den schlechten Bedingungen zufrieden zu geben, da ihre Anstellung von der Gunst ihrer Vorgesetzten abhängt. Kurzum: Gute Arbeit geht definitiv anders.
Hohe Armutsgefährdung bei Studis
Die finanzielle Lebenssituation von Studierenden ist allgemein äußerst angespannt. Im Schnitt müssen sie über 50 Prozent ihres Einkommens für Wohnkosten ausgeben. Der Hälfte der Studierenden mit eigener Haushaltsführung steht monatlich weniger 930 Euro zur Verfügung. Angesichts stark gestiegener Lebenshaltungskosten reicht das Geld kaum bis zum Ende des Monats. Und da studentische Beschäftigte nur knapp über Mindestlohnniveau verdienen, gelten etwa 80 Prozent von ihnen als armutsgefährdet.
TVStud im Einsatz für Gute Arbeit
In diesem Semester könnte sich für sie nun aber etwas zum Positiven verändern, denn: Im Dezember starten die Tarifverhandlungen zum neuen Tarifvertrag der Länder (TV-L), in deren Rahmen auch über die Forderungen der bundesweiten TVStud-Bewegung für studentische Beschäftigte entschieden werden soll. TV-Stud ist eine gewerkschaftliche Bewegung, in der sich Studierende zusammen mit ver.di und GEW für eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen einsetzen. Und 2023 wurde im Rahmen der letzten Tarifrunde die verbindliche Vereinbarung getroffen, die TV-Stud-Anliegen in der nächsten Tarifrunde zu behandeln.
Ein Tarifvertrag muss endlich her
Das Ziel ist klar: Ein Tarifvertag für die studentischen Beschäftigten. Nur so können gute Arbeitsbedingungen in Form einer höheren Bezahlung, Mindestvertragslaufzeiten und Urlaubsansprüchen sichergestellt werden. Dies zeigt das Beispiel Berlin: Hier gibt es bereits seit den 80er Jahren einen Tarifvertrag für studentische Beschäftigte, welcher im Ergebnis dazu geführt hat, dass sie dort weitaus bessere und fairere Arbeits standards vorfinden.
Bundesländer in der Verantwortung
Was im Stadtstaat möglich ist, muss auch in der breiten Fläche möglich sein. Prekäre Arbeitsverhältnisse für studentische Beschäftigte müssen endlich der Vergangenheit angehören. Es steht der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) nicht gut zu Gesicht, dass dies in öffentlichen Einrichtungen bisher noch nicht der Fall ist. Wenn zum Jahresende die Tarifverhandlungen beginnen, muss diese Lücke unbedingt geschlossen werden.
#Schlaglicht 30/2025 - Studentische Beschäftigte: Mit Tarifvertrag gegen Prekarität (PDF, 170 kB)