Wirt­schafts­po­li­tik 2026: In­ves­tie­ren statt so­zia­lem Kahl­schlag

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Dachzeile #schlaglicht 01/2026

Das Jahr 2026 beginnt leider, wie das alte geendet hat. Reichlich monoton fordern die Arbeitgeber und Teile der Union mal wieder soziale Einschnitte. In ihrer diagnosefreien Vorstellungswelt sind diese notwendig, um die wirtschaftliche Stagnation zu überwinden und der Konjunktur auf die Sprünge zu helfen. Dafür sollen die Beschäftigen pro Woche länger arbeiten und später in Rente gehen können. Und pünktlich zu Neujahr hat Arbeitgeberpräsident Dulger eine Einschränkung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall verlangt. So würde die individuelle Genesung zum Luxusgut verkommen.

Viele gehen krank zur Arbeit

Dabei sollte klar sein: Beschäftigte müssen vor Präsentismus geschützt werden und sich richtig auskurieren können. Laut dem DGB-Index Gute Arbeit erscheinen schon jetzt fast zwei Drittel der Beschäftigten krank zur Arbeit, 44 Prozent sogar länger als eine Woche (siehe Grafik). Dadurch werden Krankheiten nicht nur verschleppt und verlängert. Gleichzeitig sind erkrankte Beschäftigte auch unproduktiver und es besteht das Risiko, dass sie ihre Kolleg*innen anstecken, die dann ebenfalls ausfallen. Wem ist damit geholfen?

Sozialer Kahlschlag kontraproduktiv

Es ist völlig schleierhaft, wie diese Maßnahme oder der Abbau anderer Errungenschaften für einen wirtschaftlichen Aufschwung sorgen sollen. Kein neuer Auftrag wird deshalb in den Büchern der Unternehmen stehen. Wann, wenn nicht in der Krise, muss das soziale Netz den Beschäftigten Sicherheit geben? Vielmehr besteht die reale Gefahr, dass ständige Diskussionen um Leistungskürzungen weitere Ängste schüren, die private Konsumnachfrage abwürgen und dadurch die lahmende Binnenkonjunktur erneut einen Dämpfer erhalten würde. Mit guter Wirtschaftspolitik haben solche Vorschläge nichts gemein.

Investitionen auf die Straße bringen

Tatsächlich dürfte die Wirtschaft 2026 wieder wachsen. Denn mit dem Sondervermögen wird endlich auf fiskalische Expansion gesetzt. Nun müssen Bund und Länder die damit möglichen Investitionen schnell und zielgenau in Infrastruktur, Energiewende, Bildung und Forschung stecken. Gelingt dies, steigt auch das Vertrauen von Unternehmen und Privathaushalten, woraus sich weitere ökonomische Aktivitäten entfalten können. Eine dauerhafte Reform der Schuldenbremse bleibt in diesem Zusammenhang geboten.

Aktive Industriepolitik forcieren

Angesichts globaler Handelsverwerfungen ist es zudem erforderlich, auf eine aktive Industriepolitik zu setzen – in Deutschland und Europa. Der Industriestrompreis muss jetzt ins Ziel gebracht und Zukunftstechnologien gefördert werden. Zur Sicherung guter Industriejobs und der eigenen Resilienz braucht es Local-Content-Vorgaben und die Schaffung von Leitmärkten, um beispielsweise den Einsatz von in Europa produziertem Stahl in öffentlichen Aufträgen vorzuschreiben und die Nachfrage nach klimafreundlichen Grundstoffen zu stärken.

Ablenkungsmanöver statt Lösungen

Alle diese Schritte sind dazu geeignet, die konjunkturelle Talsohle zu durchschreiten. Die wiederkehrenden toxischen Debatten um soziale Härten aus dem Arbeitgeberlager sind dagegen nur ein durchsichtiges Ablenkungsmanöver, um eigene Versäumnisse zu kaschieren und die Krise für ihre altbekannte Agenda auszuschlachten. Wirtschaftspolitisch helfen sie keinen Deut weiter.

#Schlaglicht 01/2026 - Wirtschaftspolitik 2026: Investieren statt sozialem Kahlschlag (PDF, 216 kB)

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