72 Tage umsonst: Lohnlücke zwischen Ost und West weiterhin bei fast 20 Prozent

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Ordnungsnummer PM 20

Vor dem Tag der deutschen Einheit weist der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) erneut auf die nach wie vor gravierenden Lohnunterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland hin – und fordert entschlossene Maßnahmen der Politik, um die Tarifbindung wieder zu steigern. Vollzeitbeschäftigte im Osten verdienen im Schnitt 12.415 Euro brutto weniger im Jahr als ihre Kolleg*innen im Westen. Das entspricht einer Entgeltlücke von fast 20 Prozent. Im Vergleich zu den westdeutschen Ländern arbeiten die Beschäftigten in Ostdeutschland – statistisch betrachtet - im Schnitt fast 72 Tage umsonst.

DGB-Landesleiterin Katrin Skirlo: „Auf dem Lohnzettel ist die Einheit auch nach 36 Jahren immer noch nicht vollzogen – auch wenn die Lücke langsam kleiner wird. Im Vergleich zu den westdeutschen Ländern arbeiten die Beschäftigten in Ostdeutschland – rein rechnerisch - im Schnitt fast 72 Tage umsonst. Dort, wo Tarifverträge angewendet werden, ist die Lohnlücke kleiner. Deshalb muss sich die Politik in Bund und Land stärker für eine höhere Tarifbindung engagieren: Öffentliche Fördergelder dürfen nur an Unternehmen fließen, die nach Tarif bezahlen und die Tariftreue bei der öffentlichen Vergabe muss endlich wieder wirksam angewendet werden. Zudem müssen Tarifverträge leichter für ganze Branchen allgemeinverbindlich erklärt werden können. Nur so kommen wir bei der Angleichung der Löhne schneller voran. Auch ein digitales Zugangsrecht zu den Beschäftigten in den Betrieben ist überfällig – Gewerkschaften müssen Beschäftigte künftig auch auf digitalem Weg besser erreichen können!“

Der Unterschied macht sich besonders deutlich bei der Tarifbindung: Nur 43 Prozent der Beschäftigten in Sachsen-Anhalt arbeiten in tarifgebundenen Betrieben, im Westen sind es 50 Prozent. Die geringere Tarifbindung in Sachsen-Anhalt wirkt sich auch auf mögliche Sonderzahlungen, wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld, aus, die meist tariflich vereinbart sind und somit den hiesigen Beschäftigten seltener oder im geringeren Umfang ausgezahlt werden.“

Ein Tarifvertrag bringt spürbare Vorteile: In Sachsen-Anhalt verdienen Beschäftigte mit Tarifvertrag im Schnitt 13.643 Euro mehr im Monat als ohne Tarifvertrag.

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