Der Saal ist übervoll. Die Veranstalter*innen DGB Region SüdOstNiedersachsen, ver.di SüdOstNiedersachsen und die Kooperationsstelle Hochschule & Gewerkschaften müssen dem Andrang von 80 Interessierten schnell begegnen. Das Thema des Abends drückt spürbar bei abhängig Beschäftigten: Arbeitszeitflexibilisierung. Die Stimmung beim Vortrag und die sehr angeregte Diskussion auf dem Podium zeigten, dass die aktuelle Debatte um den Angriff auf das Arbeitszeitgesetz bei den Beschäftigten starke Emotionen auslöst.
Prof. Nicole Mayer-Ahuja machte in ihrem Vortrag deutlich, dass es den Anschein erweckt, hier gäbe es eine Agenda, die auf den Abbau von Arbeitnehmer*innenrechten und sozialstaatlichen Standards abzielt. Es sei eine politische Sprache der Entsolidarisierung in der Gesellschaft. Sie verwies auf Zitate des Bundeskanzlers aus den vergangenen Wochen, in denen er unter anderem Gesetzesuntreue in Bezug auf Arbeitszeitregelungen als Indiz anführte diese gleich abzuschaffen. Die Empörung im Saal war spürbar.
Geschäftsführerin des Arbeitgeberverbandes e.V., Dinah Stollwerk-Bauer, verwies in ihren Statements auf die gewünschte Flexibilisierung der Arbeitszeit, die auch von Beschäftigten ausgingen. MdB Frauke Heiligenstadt (SPD) betonte, dass ein Koalitionsvertrag Ausdruck von Verhandlungen zwischen Koalitionspartner*innen sei und nicht Ausdruck ihrer politischen Grundhaltung. Als Grund für die Debatte um das Arbeitszeitgesetz und die Teilzeit wurde von Dinah Stollwerk-Bauer immer wieder auf die andauernde Rezession verwiesen. Gerne stellte sie sich der gewerkschaftlichen Debatte. Auf die Nachfrage ob es evidenzbasierte Annahmen gäbe, dass dem durch Extensivierung der Arbeit entgegenzukommen sei, gab es keine befriedigende Antwort.
Die Beschäftigten unterschiedlicher Branchen schilderten plastisch konkrete Arbeitsbedingungen z.B. in Schichtdiensten in der Pflege, im Krankenhaus und in der Gastronomie, die schon jetzt zu Erschöpfung und schwieriger Vereinbarkeit von Arbeit und Sozialleben führe.
Im Schlussstatement gab MdB Frauke Heiligenstadt die deutliche Rückmeldung, dass das Signal der Beschäftigten bei ihr angekommen sei und sie mit Rückenstärkung in die Debatte gehen würde.