Der DGB Bremen sieht die steigende Zahl von Bundeswehrbesuchen an Schulen kritisch und warnt vor einer strukturellen Schieflage in der politischen Bildung.
Christian Wechselbaum, DGB-Landesleiter Bremen, erklärt dazu: „Ja, die Welt verändert sich gerade rasant, und viele Menschen spüren, dass sich die Rolle, Akzeptanz und Bedeutung der Bundeswehr in unserer Gesellschaft wandeln. Aber politische Bildung darf an Schulen nicht strukturell einseitig zugunsten der Bundeswehr organisiert sein. Schulen müssen Orte bleiben, an denen junge Menschen alle Optionen kennen – auch das Recht, Nein zu sagen.“
Grundsätzlich hält der DGB Bremen Bundeswehrbesuche an Schulen für nicht angemessen. Sollten solche Besuche dennoch stattfinden, dürfen sie nur unter klaren Bedingungen erfolgen: Sie müssen zwingend in ein ausgewogenes Gesamtkonzept eingebettet sein, in dem gleichwertig auch Ersatzdienste vorgestellt werden und eine unabhängige Beratung zur Wehr- und Kriegsdienstverweigerung verbindlicher Bestandteil politischer Bildung ist.
Jasmin Wührmann, Jugendbildungsreferentin der DGB-Jugend Bremen, ergänzt: „Viele Jugendliche blicken aktuell mit großer Unsicherheit auf ihre Zukunft und den Ausbildungsmarkt. Politische Bildung muss sie dabei unterstützen, ihre Rechte, Mitbestimmungsmöglichkeiten und Interessen als Schülerinnen, Schüler und Auszubildende kennenzulernen. Die DGB-Jugend lehnt deshalb Wehrpflicht und andere Pflichtdienste ab. Politische Bildung darf keine Kriegslogiken in Schulen tragen, sondern muss auf zivile, demokratische und selbstbestimmte Perspektiven setzen.“
Hintergrund:
In Bremen ist die Zahl der Besuche von Jugendoffizieren der Bundeswehr an Schulen zuletzt deutlich gestiegen. Betroffen sind dabei zunehmend auch jüngere Jahrgänge sowie Berufsschulen. Vor dem Hintergrund aktueller sicherheitspolitischer Debatten sieht der DGB Bremen die besondere Verantwortung, politische Bildung sorgfältig, ausgewogen und unter Einbeziehung aller Perspektiven zu gestalten.