Duale Ausbildung zukunftsfest machen: Landesregierung im Gespräch mit Wirtschaft und Gewerkschaften
Der Ausbildungsmarkt in Niedersachsen ist seit Jahren angespannt. Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen gewinnt die Frage weiter an Bedeutung, wie jungen Menschen eine gute Perspektive für den Einstieg ins Berufsleben eröffnet und zugleich der Fachkräftebedarf von Unternehmen und Gesellschaft langfristig gesichert werden kann.
Wie die duale Ausbildung zukunftsfest aufgestellt werden kann, stand deshalb im Mittelpunkt eines Fachgesprächs der Niedersächsischen Landesregierung mit der BMW-Niederlassung Hannover, der IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sowie dem DGB Niedersachsen. Das Gespräch fand im Rahmen des Besuchs des Staatssekretärs Stephan Ertner bei der BMW-Niederlassung Hannover statt.
Dabei wurde deutlich: Die Zukunft der beruflichen Bildung muss branchenübergreifend gedacht werden. Gerade die Automobilwirtschaft zeigt jedoch beispielhaft, wie eng Industrie und Handwerk miteinander verbunden sind und wie wichtig eine leistungsfähige duale Ausbildung sowie gute Möglichkeiten für Weiterbildung und berufliche Entwicklung sind.
Die BMW-Niederlassung Hannover steht dabei exemplarisch für die Bedeutung einer praxisnahen und zukunftsorientierten Ausbildung im Kfz-Handwerk. Im Mittelpunkt des Fachgesprächs standen daher die aktuellen Herausforderungen auf dem Ausbildungsmarkt, die Weiterentwicklung der dualen Ausbildung sowie die Frage, wie junge Menschen erfolgreich beim Übergang von der Schule in das Berufsleben unterstützt und gleichzeitig die Fachkräfte von morgen gewonnen und qualifiziert werden können.
Dr. Ernesto Harder, Vorsitzender des DGB Niedersachsen: „Der Ausbildungsmarkt passt immer weniger zu den Lebensrealitäten junger Menschen: Während Ausbildungsplätze und Fachkräfte dringend gebraucht werden, entscheiden Wohnkosten, lange Wege und fehlende Beratung darüber, ob eine Ausbildung überhaupt aufgenommen und erfolgreich abgeschlossen werden kann. Gerade in einem Flächenland wie Niedersachsen sind die Chancen höchst ungleich verteilt – in den Städten fehlt bezahlbarer Wohnraum, auf dem Land fehlen teilweise Ausbildungsangebote, gute Verkehrsverbindungen und erreichbare Beratungsstrukturen. Wir fordern daher ein niedersächsisches Azubi-Werk, das ein Ankerpunkt für eine stabile Ausbildung ist – vergleichbar einem Studierendenwerk. Das ist längst überfällig! Ein Azubi-Werk würde Interessent*innen, die Azubi-Wohnheime bauen wollen, auf Landesebene fachlich unterstützen können sowie Wohnheimplätze vermitteln, eine Sozialberatung anbieten und darüber hinaus aus Ansprechpartner*in für Auszubildende sein.“
Uwe Wegener, Betriebsratsvorsitzender BMW AG Niederlassung Hannover: „Für uns ist die duale Ausbildung die wichtigste Investition in die Zukunft. Die Fachkräfte von morgen gewinnen wir nicht am Arbeitsmarkt, sondern bilden sie selbst aus. Die Generationen Z und Alpha sind leistungsfähig, engagiert und kreativ. Deshalb müssen Unternehmen neue Wege gehen, attraktive Perspektiven bieten und zeigen, welche Chancen eine moderne Ausbildung eröffnet.“
Stephan Ertner, Staatssekretär im Niedersächsischen Kultusministerium: „Junge Menschen stehen heute vor so vielen beruflichen Möglichkeiten wie nie zuvor. Das ist eine große Chance, kann aber auch Orientierung erschweren in einem Arbeitsmarkt, der sich immer schneller wandelt. Deshalb ist es unser Ziel, dass jede Schülerin und jeder Schüler die Schule mit einer realistischen Vorstellung von den eigenen Stärken, Interessen und Perspektiven verlässt. Das gelingt am besten, wenn Jugendliche Berufe schon in der Schulzeit unmittelbar erleben können: in Betrieben, Werkstätten und im direkten Austausch mit Auszubildenden und Beschäftigten. Mit dem neuen Erlass zur Beruflichen Orientierung stärken wir deshalb die Praxisphasen an den Schulen und schaffen zusätzliche Möglichkeiten, Erfahrungen in der Arbeitswelt zu sammeln. So ermöglichen wir Schülerinnen und Schülern, frühzeitig eigene Erfahrungen zu sammeln und eine informierte Entscheidung über ihren weiteren Bildungs- und Berufsweg zu treffen.“
Markus Wente, Branchenexperte der IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt: „BMW in Hannover zeigt: der Fachkräftemangel wird nicht durch Klagen über fehlende Bewerberinnen und Bewerber gelöst, sondern durch attraktive Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen. Tarifbindung schafft Sicherheit, gute Einkommen und klare Entwicklungsperspektiven und macht Unternehmen als Ausbildungsbetriebe attraktiver. In der BMW-Niederlassung in Hannover gehen faire Arbeitsbedingungen und wirtschaftlicher Erfolg Hand in Hand. Wenn wir die duale Ausbildung stärken wollen, müssen wir konsequent auf Qualität, Mitbestimmung und Tarifbindung setzen. Dafür steht AutohausFair. das Qualitätssiegel der IG Metall“.