Susanne Wiedemeyer, Leiterin des Deutschen Gewerkschaftsbundes: „Die Entgeltdifferenz zwischen Männern und Frauen beträgt in Sachsen-Anhalt sechs Prozent. Damit können wir nicht zufrieden sein, obgleich die Situation deutlich besser ist als in Westdeutschland. Konkret heißt das, dass Frauen im Durchschnitt jede Stunde 1,15 Euro weniger verdienen als Männer. Das ist aus der Zeit gefallen!“
Mit Blick auf einzelne Branchen könne der Lohnabstand aber deutlich höher ausfallen. Als Beispiel nennt die DGB-Chefin das Gesundheits- und Sozialwesen, in dem laut Statistischem Landesamt Frauen pro Stunde 21 Prozent weniger verdienen als Männer – und das trotz Fachkräftemangel. In diesem Zusammenhang verweist die Gewerkschafterin auf die Wirkung von Tarifverträgen zur Abmilderung von Lohnunterschieden. „Tarifverträge zahlen sich für Frauen aus, denn in Betrieben ohne Tarifvertrag liegt der Gender Pay Gap branchenübergreifend bei elf Prozent“, so Wiedemeyer.
Wiedemeyer betont, dass der relativ geringe Gender Pay Gap in Sachsen-Anhalt wegen der im Bundesvergleich niedrigen Löhne besonders schmerzlich ist: „Trotz des niedrigeren Gender Pay Gap verdienen sachsen-anhaltische Frauen mit durchschnittlich 18,19 Euro pro Stunde rund zwei Euro weniger als Frauen bundesweit. Das ist ungerecht.“ Der bundesweite Durchschnittsverdienst von weiblichen Beschäftigten beträgt 20,30 Euro.