In Niedersachsen hat eine alleinerziehende Frau mit einem Kind bei Vollzeitbeschäftigung zum Mindestlohn 746 Euro mehr zur Verfügung als bei Bürgergeldbezug. Bei einer Familie mit zwei Kindern beträgt der Unterschied 658 Euro.
Dr. Mehrdad Payandeh, Vorsitzender des DGB Niedersachsen: „Die Studie zeigt ganz klar: Es ist falsch, dass Arbeiten sich nicht lohnt. Es ist falsch, dass Menschen lieber Bürgergeld beziehen, als zu arbeiten. Solche Unwahrheiten dienen nur dazu, Kürzungen von Sozialleistungen zu begründen. Vielmehr müssen Anstrengungen unternommen werden, Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Wir brauchen mehr und verlässliche Kinderbetreuung, besser Qualifikationsangebote für Arbeitssuchende.“
Der erhebliche Abstand zwischen Bürgergeld und Mindestlohnbeschäftigung mache auch klar, mit wie wenig Geld Bürgeldempfänger*innen auskommen müssen. „Es stehe einem Sozialstaat nicht gut zu Gesicht, bei den Ärmsten der Armen zu sparen und sie unnötig unter Druck zu setzen. Menschen mit niedrigem Einkommen und Bürgergeldbezieher*innen gegeneinander auszuspielen, ist perfide und entlarvt nur die Probleme auf dem Arbeitsmarkt“, so der Gewerkschafter. „Wenn der Abstand zwischen Bürgergeld und Arbeitslohn zu niedrig erscheint, stimmt etwas mit dem Lohnniveau nicht.“ Angesichts der immens gestiegenen Kosten für Miete, Energie und Lebensmittel müsse das Lohnniveau steigen. Payandeh; „Dies gelingt vor allem über eine höhere Tarifbindung von Unternehmen. Arbeiten Beschäftigte in einem Unternehmen mit Tarifvertrag, verdienen sie in Niedersachsen in Vollzeit durchschnittlich 1.000 Euro pro Monat mehr."