Rentendebatte: Mehr Mythen als Fakten

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Dachzeile #schlaglicht 14/2026

Die Lebenserwartung steigt immer weiter. Jüngere zahlen die Zeche. Der Zuschuss aus dem Bundeshaushalt explodiert. Und die Lohnnebenkosten erst. Worum geht‘s? Klar: Die gesetzliche Rentenversicherung. Im Juni wird die Rentenkommission der Bundesregierung ihre Vorschläge präsentieren. Diese sollen sich einreihen in das Vorhaben einer Sozialstaatsreform. Doch bereits im Vorfeld werden Angstszenarien aus der Schublade geholt. Kanzler Merz sprach kürzlich nur noch von einer Basisabsicherung, um die gesetzliche Rente zu delegitimieren. Zeit für einen Faktencheck.

Immer höhere Lebenserwartung?

Bereits zuvor war es Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche, die forderte, das Renteneintrittsalter an die steigende Lebenserwartung zu koppeln. Nur so bleibe die Rente finanzierbar. Sachstand: Die Bundesregierung weist selbst aus, dass 65-Jährige zuletzt Aussicht auf eine Lebenserwartung von 19,4 Jahren hatten. Dieser Wert ist seit 2011 nahezu konstant, während sich der tatsächliche Rentenbeginn innerhalb einer Dekade um 1,3 Jahre nach hinten verschoben hat und das Renteneintrittsalter zusätzlich bis 2031 sogar schrittweise auf 67 Jahre angehoben wird.

Späteres Rentenalter bleibt Irrweg

Selbst wenn man davon ausgeht, dass sich die Lebenserwartung zukünftig moderat erhöht, ist eine Erhöhung des Renteneintrittsalters der völlig falsche Weg. Denn wer Schicht schiebt im Krankenhaus oder am Band, bei Wind und Wetter auf dem Bau arbeitet oder Müll entsorgt, kann diese Tätigkeit nicht bis ins hohe Alter ausführen. Für viele Beschäftigte käme ein späteres Renteneintrittsalter de facto einer Kürzung gleich, zumal diejenigen, die wenig verdienen, dann auch noch mit einer geringeren Lebenserwartung zu rechnen haben. Eine Verletzung des Äquivalenzprinzips.

Panikmache um den Bundeszuschuss

Es wird immer wieder in alarmistischem Ton vor dem steigenden Zuschuss aus dem Bundeshaushalt an die Rentenkasse gewarnt. Die Daten belegen dies nicht: Seit 2005 ist er, gemessen an den Gesamteinnahmen der Rentenversicherung, sogar rückläufig. Auch der Anteil an eingesetzten Steuermitteln ist, abgesehen von Krisenausschlägen, unauffällig (siehe Grafik). Zudem wird verkannt, dass der Bundeszuschuss die wichtige Funktion erfüllt, verschiedene Leistungen des sozialen Ausgleichs zu finanzieren, für die niemand Beiträge zahlt.

Kapital vs. Arbeit ist der Konflikt

Vollends absurd ist der zum Popanz aufgebauschte Generationenkonflikt. Behauptungen, dass Ältere jüngere Menschen durch hohe Beiträge belasten, dienen nur dazu, politisch gewollten Leistungseinschränkungen den Weg zu ebnen. Eine neue Studie zeigt aber, dass ein höheres Rentenalter oder ein abgesenktes Rentenniveau auch die Rendite für jüngere Versicherte schmälern. Wer kann, muss dann aufgerissene Rentenlücken privat aufgefangen, die Arbeitgeber müssen sich daran nicht beteiligen. Hier verläuft die Konfliktlinie.

Für eine sichere und gute Rente

Kurzum: Trotz mancher Baustellen ist die umlagefinanzierte Rente besser als die mit Mythen aufgeladene Kritik an ihr. Sie wird schlechtgeredet, weil bestimmte Akteure sich dem Solidarsystem entziehen wollen. Der DGB reicht dafür nicht die Hand. Im Rahmen einer eigenen Rentenkommission wird er Konzepte erarbeiten, um eine gerechte Rente für die erbrachte Lebensleistung sicherzustellen.

#schlaglicht 14/2026 -  Rentendebatte: Mehr Mythen als Fakten (pdf)

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